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🔗 Das baut aufeinander auf
Teil 1: Arbeitsblatt „Mein KI-Kundenservice-Plan" — dort hast du Anfragen gesammelt, eine Wissensbasis mit 5 Standardantworten geschrieben und deinen Bot gebaut.
Teil 2: Arbeitsblatt „Eigene KI im Unternehmen hosten" — dort hast du geklärt, wo die KI läuft, und AnythingLLM auf dem eigenen Rechner installiert.
Teil 3 (hier): Die laufende KI bekommt dein Wissen. Aus den 5 Standardantworten wird eine echte Wissensbasis aus Firmendokumenten.

Roter Faden der Serie: planen (1) → hosten (2) → füttern und prüfen (3). Teil 1 oder 2 nicht gemacht? Kein Problem — du kannst dieses Blatt auch mit einem beliebigen anderen Anwendungsfall ausfüllen.

Wie die KI dein Wissen nutzt — sie schlägt nach, sie lernt nicht auswendig

Der Fachbegriff dafür heißt RAG (Retrieval Augmented Generation), sinngemäß: „antworten mit Nachschlagen". Laut AWS ist das eine Technik, um ein großes Sprachmodell mit externen Daten zu erweitern, „such as a company's internal documents". Die Datenschutzkonferenz (DSK) beschreibt vier Bausteine: Retriever (der Sucher), Embedding-Modell (der Einsortierer), Vektordatenbank (das Regal) und das Sprachmodell (der Formulierer).

📖 Die Klassenarbeit mit offenem Buch
Der Schüler muss nichts auswendig können. Er schlägt bei jeder Frage die passende Seite auf und schreibt die Antwort in eigenen Worten. Das KI-Modell ist der Schüler, deine Dokumente sind das Buch — und das Buch bleibt nach der Arbeit ein Buch.
Das giltWas das für dich heißt
Deine Dateien landen nie im Modell AnythingLLM schreibt selbst: „Your entire document set is not 'embedded' into the model." Die DSK ergänzt: Die erweiterte Anfrage „verändert das LLM nicht" — sie wird bei jeder einzelnen Frage neu gebaut.
Kein Training nötig, kein Budget nötig Das Fraunhofer IESE schreibt wörtlich: „Unserer Ansicht nach sollte Fine-Tuning aber nicht dafür eingesetzt werden, einem LLM Wissen anzutrainieren" (13.05.2024). Wenn jemand sagt „wir trainieren die KI auf Ihre Daten" — der richtige und billigere Weg heißt RAG.
Gesucht wird nach Bedeutung, nicht nach Wörtern DSK: „Eine geringe Distanz wird hier mit einer großen semantischen Nähe assoziiert." Eine Frage nach „Rückgabe kaputter Ware" findet auch einen Abschnitt „Reklamation" — versagt aber genau da, wo es auf exakte Zeichen ankommt: Artikelnummern, Fehlercodes.
Das Ziel: Fakten von dir, Sprache vom Modell DSK: „Im gewählten Szenario sollte das faktische Wissen einer Antwort vollständig aus den Referenzdokumenten stammen und das LLM lediglich der Spracherzeugung dienen." Das ist die Messlatte: Jede Zahl in der Antwort muss aus einem deiner Dokumente kommen.
Löschen funktioniert hier wirklich DSK: Einträge in der Vektordatenbank sind „direkt adressierbar und damit auch personenbezogene Daten gezielt löschbar". Bei trainierten Modellen ist die Umsetzung von Betroffenenrechten dagegen „weitgehend ungelöst". Eine DSGVO-Löschanfrage kannst du bei RAG erfüllen.

Welche Dokumente taugen — der Ein-Sekunden-Test

Viele PDFs enthalten keinen Text, sondern nur Bilder von Seiten — typisch bei allem, was gescannt oder abfotografiert wurde. Ohne Textebene extrahiert die KI nichts. Der Test: PDF öffnen, Text mit der Maus zu markieren versuchen. Geht nicht → die KI sieht ebenfalls nichts.

🪟 Der Text hinter der Schaufensterscheibe
Lesen kannst du ihn — aber kein einziges Wort herausnehmen. Genau das braucht die KI aber: Wörter zum Mitnehmen. Kuriose Kursnotiz: Sogar das amtliche DSK-PDF ließ sich beim Faktencheck mit einem Standardkonverter nicht auslesen — die Seiten liegen als Bilder vor.
Was du hochladen willstTaugt es?Was zu tun ist
Sauberer Text / Markdown Bestens Erste Wahl. Faustregel für die Dateiwahl: Text/Markdown > Word > Text-PDF > Scan. Wenn du die Wahl hast, nimm das Format, in dem das Dokument entstanden ist.
Word-Datei (.docx) Gut Vorher aufräumen: Kopf- und Fußzeilen sowie Seitenzahlen raus (DSK-Empfehlung), Überschriften setzen, ein Thema pro Abschnitt.
Text-PDF (Text markierbar) Gut Direkt nutzbar. Trotzdem gilt: Zehn Minuten Aufräumen pro Dokument bringen mehr als jede Einstellung im Tool.
Bild-PDF / Scan / Foto Unbrauchbar Erst OCR („Texterkennung"). Kostenlos: Tesseract und OCRmyPDF laufen lokal auf deinem Rechner, Google Docs verarbeitet in der Cloud; dazu PDF24 und browserbasierte Tesseract.js-Werkzeuge. Für Personal-, Vertrags- oder Kundendokumente nur lokale Werkzeuge.
Excel-Preisliste / Tabelle Schwierigster Fall Wird eine Tabelle mittendrin zerschnitten, verlieren die Zahlen ihre Beschriftung. Ein Fachpaper misst deutliche Verbesserungen bei strukturerhaltendem Zerlegen: Recall@1 steigt von 0,366 auf 0,754 (BM25-Setting), MRR von 0,3576 auf 0,5945 (hybrides Setting). Workaround: eine Tabelle = ein Stück, oder die Tabelle als Fließtext bzw. FAQ ausformulieren.
Handschrift, Formulare mit Randnotizen Nicht ungeprüft Erst abtippen oder gegenlesen, dann hochladen. Belastbare Fehlerquoten für Handschrift-OCR gibt es nicht — deshalb nennen wir bewusst keine Prozentzahlen.
PDF aus einem Forum, schnell geladener Branchen-Report Raus DSK wörtlich: „Dokumente aus unbekannten oder nicht vertrauenswürdigen Quellen sollten daher nicht verwendet werden." Sonst wird daraus die zitierte „Firmenwahrheit".

📌 Zwei Merksätze zu diesem Abschnitt

Qualität schlägt Menge. Aus einem Praxis-Leitfaden zur RAG-Hygiene: „In RAG, quality matters more than quantity. A smaller, well-maintained KB often outperforms a larger, unstructured one." Starte mit rund 10 wirklich gepflegten Dokumenten statt mit dem kompletten Laufwerk.

Formate. Das offizielle AnythingLLM-README nennt beispielhaft „PDF, TXT, DOCX, etc". PDF, Word, Text, Markdown, Tabellen und Präsentationen funktionieren — die genaue, aktuelle Liste zeigt AnythingLLM beim Upload selbst an.

Artikelnummern. Umgib Nummern und Codes im Dokument mit Klartext: „Artikel 4711-B, Edelstahlgriff 30 cm, Preis …" statt nur „4711-B". Sonst findet die Bedeutungssuche sie nicht zuverlässig.

Die 4 Einstellungen, die zählen

AnythingLLM hat viele Regler. Für den Einstieg zählen genau diese vier — der Rest bleibt auf Standard.

🔧 Der Kfz-Meister mit Werkstatthandbuch
Der Query-Modus ist wie ein Meister, der streng nach dem Werkstatthandbuch deines Modells arbeitet — statt nach dem, was bei anderen Autos üblich ist. Der Handbuch-Weg sagt notfalls „steht hier nicht drin". Der Erfahrungs-Weg liefert immer eine Antwort, manchmal die vom falschen Fahrzeug.
EinstellungWertWas sie bewirkt
1 · Query-Modus
Zahnrad → Chat Settings
einschalten Der Chat-Modus nutzt laut Hersteller „both your documents and the AI's general knowledge". Der Query-Modus „only uses information from your uploaded documents" und sagt Bescheid, wenn er nichts findet. Die zentrale Einstellung des ganzen Moduls. Amtlich gedeckt: Die DSK warnt, Modelle tendierten bei widersprüchlichen Inhalten dazu, „das Wissen aus den Trainingsdaten wiederzugeben und die Inhalte aus den Referenzdokumenten zu verwerfen".
2 · Document Similarity Threshold
Mindest-Ähnlichkeit
Standard 20 % Legt fest, wie nah ein Textstück an der Frage liegen muss, damit es überhaupt verwendet wird. Die Herstellerdoku wird ungewöhnlich deutlich: „This setting is likely the cause of the issue you are having!" — bei Fundproblemen: „you should set this to No Restriction." Erster Regler bei „die KI findet nichts": senken, testen, danach wieder anheben.
3 · Max Context Snippets
Anzahl Textausschnitte pro Antwort
4–6 Herstellerempfehlung: „anywhere from 4-6 for the majority of models". Mehr Schnipsel heißt nicht bessere Antwort — zu viele Ausschnitte überfluten das Modell und verwässern die Antwort („lost in the middle": Die Leistung ist am höchsten, wenn die wichtige Information am Anfang oder Ende steht).
4 · Text Splitter
Chunk Size / Chunk Overlap
1000 Zeichen
Overlap 20
Standard sind 1000 Zeichen pro Stück und 20 Zeichen Überlappung — Zeichen, nicht Wörter. Nicht anfassen, solange die Dokumente nicht aufgeräumt sind: Wer hier zuerst dreht, optimiert am falschen Ende. Ob Überlappung überhaupt etwas bringt, ist wissenschaftlich offen — eine Analyse vom 20.01.2026 findet „no measurable benefit", viele Praxisleitfäden empfehlen weiter 10–20 %.

⚠️ Fehlerquelle Nummer eins: Hochladen ist nicht Einbetten

Eine Datei im Chat hochzuladen reicht nicht — sie gilt nur für diesen einen Chat („Documents uploaded in the chat are workspace and thread scoped"). Erst über „Move document to workspace" wird sie dauerhaft eingebettet. Herstellerdoku: „The LLM can only 'see' documents embedded in this workspace." Wie Ware im Wareneingang: Sie ist im Haus — aber solange sie nicht ins Regal einsortiert ist, findet sie im Verkauf niemand.

Wenn deutsche Dokumente schlecht gefunden werden: Das eingebaute Standard-Embedding-Modell all-MiniLM-L6-v2 ist laut Herstellerdoku „primarily trained on English documents". Die DSK verlangt dagegen ein Modell, das mit deutschsprachigen Texten trainiert wurde, sonst würden „dem Eingabeprompt weniger relevante Chunks zugeordnet". Der Auslieferungszustand ist also auf Englisch optimiert — ein mehrsprachiges Embedding-Modell ist dann der nächste Hebel.

Was RAG nicht kann: zählen und zusammenrechnen. „Wie viele Kunden haben wir 2025 in Bayern gewonnen?" ist keine RAG-Frage — die KI findet ein paar passende Stellen und antwortet überzeugend falsch. Faustregel: Handbuch, FAQ, Richtlinie, Angebotstexte = RAG. Lagerbestand, Bestellstatus, Kontostand, Auswertungen = Schnittstelle.

In 30 Minuten selbst gemacht — kostenlos

Hak ab, was du geschafft hast. Wird nicht bewertet. Du brauchst kein Abo und keinen Bezahl-Zugang: AnythingLLM ist kostenlos, die KI läuft auf deinem eigenen Rechner, und für die Texterkennung gibt es kostenlose Werkzeuge.

💶 Was kostet was?
Kostenlos: AnythingLLM Desktop, die lokalen Modelle sowie die OCR-Werkzeuge Tesseract, OCRmyPDF und PDF24 — dauerhaft, ohne Abo.
Ohne Installation ausprobieren: Wer Claude Pro hat, kann alle Regeln dieses Blattes sofort in Claude Projects anwenden — dort läuft intern ebenfalls RAG. Auch Gemini Notebook (früher NotebookLM, umbenannt am 16.07.2026) eignet sich als Einstiegsübung: hochladen, fragen, Quellen prüfen. Achtung, das ist der Gegenpol zum lokalen Setup aus Teil 2 — Cloud statt eigener Rechner.
Kostet extra (im Kurs nicht nötig): API-Zugänge nach Verbrauch, Enterprise-Verträge, bezahlte OCR-Dienste.

Übertrag auf dein Unternehmen

Beantworte die 6 Aufgaben in eigenen Worten. Kurze, ehrliche Antworten reichen — es geht um deine eigenen Dokumente.

Aufgabe 1
Dokumenten-Inventar: Welche 5 Dokumente speist du zuerst ein?
Nenne pro Dokument: Titel · Format (Word, Text-PDF, Scan, Excel …) · Text-markieren-Test bestanden ja/nein. Denk an das, womit du am häufigsten Fragen beantwortest — FAQ, Preisliste, Rückgabe- und Versandregeln, Handbuch, interne Richtlinie. Aus Teil 1 passen deine 5 Standardantworten direkt hinein. Merksatz: lieber 10 gepflegte Dokumente als das ganze Laufwerk.
Aufgabe 2
Ausschluss: Was gehört ausdrücklich NICHT in die Wissensbasis?
Die DSK verlangt: „Soweit personenbezogene Daten nicht erforderlich sind, sind personenbezogene Daten zu entfernen oder zu anonymisieren." Nenne konkret, was bei dir draußen bleibt — z. B. personenbezogene Daten, Gehälter und Personalakten, Bewerber- und Gesundheitsdaten, Abmahnungen und Beschwerden, veraltete Preisstände, Dokumente aus unklaren Quellen. Und: Wo anonymisierst du, statt komplett wegzulassen?
Aufgabe 3
Aufbereitung: Welches Dokument braucht vor dem Hochladen Arbeit?
Geh dein Inventar aus Aufgabe 1 durch: Welcher Scan hat keine Texterkennung (welches kostenlose Werkzeug nimmst du — Tesseract/OCRmyPDF lokal oder PDF24)? Welche Version ist veraltet und wird ersetzt statt danebengelegt? Wo liegen Dubletten wie „Preisliste_final_NEU_v3_wirklich_final"? Welche Tabelle schreibst du als Fließtext oder FAQ aus? Wo fehlen Überschriften, wo stehen Kopf-/Fußzeilen im Weg?
Aufgabe 4
Testfragen: Notiere 5 Testfragen mit der erwarteten Antwort.
Nimm echte Fragen aus deinem Posteingang und schreibe dazu, was richtig wäre. Mindestens eine davon muss eine Verweigerungsfrage sein: eine Frage, deren Antwort definitiv nicht in deinen Dokumenten steht — erwartete Antwort: „Das steht nicht in unseren Unterlagen." Kursempfehlung zum Start: 10–20 Fragen, dann wachsen lassen. (Zum Vergleich: Braintrust nennt 30–50, ein Dienstleister 50–150 — beides Erfahrungswerte von Anbietern, keine belegte Mindestgröße.)
Aufgabe 5
Pflegeplan: Wer pflegt die Wissensbasis, in welchem Rhythmus?
Die DSK macht daraus eine Pflicht: „Die verantwortliche Stelle muss daher regelmäßig überprüfen, ob die verwendeten Referenzdokumente diesen Anforderungen entsprechen." Nutze die Tabelle Dokument | Verantwortlich | zuletzt geprüft | nächste Prüfung. Preise und Aktionen kurz takten, Handbücher und Leitlinien lang. Und: Woran erkennt ihr Veraltetes? Nicht auf die Automatik verlassen — die Desktop-App prüft zwar alle 10 Minuten auf neue Inhalte, aber nur solange sie geöffnet ist, und unter Docker werden manuell hochgeladene Dateien gar nicht synchronisiert.
Aufgabe 6
Zugriff: Welches Wissen darf nicht für alle sichtbar sein — und wie löst du das?
Ehrlich gesagt: Die kostenlose AnythingLLM-Desktop-App ist laut Hersteller „a 'single-player' application" — keine Benutzerkonten, keine Rechteverwaltung. Wer am Rechner sitzt, kann alles nutzen, was dort eingebettet ist. Echte Rollen gibt es nur in der Docker-Variante („Multi-user instance support and permissioning — Docker version only") mit Admin, Manager und Default — und einmal im Mehrbenutzer-Modus kommt man nicht mehr zurück. Dir bleiben also zwei ehrliche Wege: Docker aufsetzen (technischer Aufwand, dafür echte Rollen) oder organisatorisch trennen — sensible Dokumente kommen gar nicht erst hinein, und pro Zielgruppe gibt es einen eigenen Arbeitsbereich. Getrennt wird technisch, nicht per „bitte nicht verraten"-Prompt. Welchen Weg wählst du, und welche Dokumente bleiben bei deinem Setup draußen?

🔒 Datenschutzhinweis

Verantwortlicher: Daniel Wagmann · danielwagmann@amzmanager.de

Zweck: Auswertung des Lernfortschritts im Rahmen des KI-Kurses.

Erhobene Daten: Name, optionale Firmenzugehörigkeit, deine Antworten, Datum.

Weitergabe: Ausschließlich an den Kursleiter. Technische Übermittlung über Web3Forms. Keine Weitergabe an Dritte.

Speicherung: Keine dauerhafte Speicherung auf dem Server. Keine Cookies.

Rechte: Auskunft, Berichtigung, Löschung und Widerruf jederzeit per E-Mail.

Bitte keine echten Kundendaten eintragen. Für die Aufgaben reichen Dokumenttitel und allgemeine Beschreibungen — Namen, Adressen oder Bestellnummern gehören nicht ins Formular.

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