Zwei Sorten Kennzeichen
Metadaten stehen im Dateikopf, neben dem Bild. Ein Wasserzeichen steckt im Inhalt selbst — bei Text in der Wortwahl, bei Bildern in den Bildpunkten. Metadaten sind leicht zu lesen und leicht zu verlieren, Wasserzeichen umgekehrt.
Die Messung am Deckwerk-Shop (01.09.2026)
43 von 50 Rohdateien trugen eine Kennzeichnung. Von den 33 ausgelieferten Dateien auf der Website trug sie keine einzige. Bei zwölf Namensgleichen war sie in zehn Fällen vorher da und nachher weg.
Was in den Rohdateien stand
Wörtlich „Created by Google Generative AI“, dazu ein Herkunftsvermerk nach IPTC-Standard und der Hinweis auf ein eingebettetes SynthID-Wasserzeichen — kryptografisch signiert, mit Zertifikatskette und Zeitstempel.
Warum sie verschwunden ist
Niemand hat sie entfernt. Beim Umwandeln von PNG nach WebP kommen Zusatzblöcke nicht mit. Dasselbe passiert bei Screenshots und beim Hochladen zu den meisten sozialen Netzwerken.
Die sieben ohne Kennzeichnung
Genau die Rohbilder ohne Kennzeichnung waren die, die keine KI gemacht hat: Herstellerfotos, eigene Referenzaufnahmen, aus Video geschnittene Standbilder. Die Kennzeichnung trennt also korrekt.
Claude-Textwasserzeichen (seit 02.08.2026)
Neue Claude-Modelle setzen ein unsichtbares Wasserzeichen über die Wortwahl, weltweit. Grundlage ist der EU-Verhaltenskodex zu Artikel 50, den rund 190 Anbieter im Juli 2026 unterzeichnet haben.
Wo das Wasserzeichen nicht greift
Bei reinen Faktensätzen, beim bloßen Korrekturlesen, bei Code und bei sehr kurzen Texten — überall dort, wo es zu wenige freie Wortentscheidungen gibt. Vollständiges Umschreiben oder Übersetzen entfernt es.
Die Beweiskraft
Anthropic selbst: Ein Wasserzeichen kann nur feststellen, dass Claude wahrscheinlich irgendwann beteiligt war. Es unterscheidet nicht Schreiben von Überarbeiten. Und kein Wasserzeichen heißt nicht „von einem Menschen“.
Prüfen kann es derzeit nur Anthropic
Ein öffentliches Werkzeug gibt es nicht. Angekündigt ist eine Prüfschnittstelle, ohne Termin. Für Nutzer ist die Markierung damit vorerst kein Beweismittel.
Bei Dateien nutzt Claude C2PA
Erzeugt Claude ein Bild oder eine Datei, kommt kein Wasserzeichen hinein, sondern ein signierter Vermerk in den Metadaten — offener Standard, auch von Kameraherstellern genutzt. Am Bild selbst ändert sich nichts.
Artikel 50: zwei Absätze, zwei Adressaten
Absatz 2 verpflichtet die Anbieter der KI-Systeme, ihre Ausgaben maschinenlesbar zu markieren. Absatz 4 verpflichtet die Nutzer zur sichtbaren Kennzeichnung. Beides gilt seit dem 2. August 2026.
Detektoren und ihre Fehlerquote
Eine Stanford-Untersuchung von 2023 prüfte sieben Detektoren: Aufsätze von Menschen, die Englisch als Fremdsprache schreiben, wurden in 61 Prozent der Fälle fälschlich als KI eingestuft. Bei Muttersprachlern fast nie.
Das Gegenexperiment
Dieselben Aufsätze, mit einer KI sprachlich aufgewertet, fielen von 61 auf knapp 12 Prozent Falschbeschuldigung. Der Einsatz von KI schützte also vor dem Verdacht, KI benutzt zu haben.