Der Zähler, der verschwand
Blackrock Neurotech, eine US-Firma für Hirnimplantate (nicht der Finanzkonzern BlackRock), zählte auf ihrer Startseite mit, wie viele Menschen weltweit eine implantierte Gehirn-Computer-Schnittstelle bekommen haben: 30, 31, 34, 36. Zwischen Februar und März 2023 verschwand der Zähler und kam nie zurück. Warum, ist nicht bekannt.
Die oft zitierte Zahl „über 40“
Sie stammt nicht von Blackrock, sondern von Tether, einer Firma aus der Kryptowährungs-Branche, die 2024 Geld in Blackrock gesteckt hat. Dort hieß es, die Technik sei bei mehr als 40 Menschen „angewandt“ worden — das ist etwas anderes als „trägt ein Implantat“. Die Originalseite ist gelöscht, der Wortlaut steht noch in Abschriften.
Vier Fragen an jede Meldung
1. Was genau wurde gemacht? 2. Wer sagt das? 3. Woran wurde es gemessen? 4. Was folgt daraus für mich? Dieselben vier Fragen prüfen eine Meldung über Hirnimplantate genauso wie eine Meldung über ChatGPT oder Claude.
Blindsight: angekündigt, nicht gemacht
Das Neuralink-Implantat soll blinden Menschen eine Art Sehen ermöglichen. März 2025, Elon Musk: noch in diesem Jahr der erste Mensch. Sommer 2025, die Firma: 2026. Januar 2026, Musk: bereit, sobald die Genehmigungen vorliegen. Neuralinks eigene Seite spricht von „future“, also künftigen Studien. Am 17.09.2026 trägt nach allem öffentlich Einsehbaren kein Mensch ein Blindsight-Implantat.
Zulassung und „Durchbruch“
Eine Zulassung ist die behördliche Erlaubnis, ein Gerät zu verkaufen. In den USA und der EU ist keine implantierte Schnittstelle zugelassen, mit der ein Mensch per Gedanken einen Computer oder ein Gerät steuert; die Videos stammen aus Studien, also Untersuchungen an einer festgelegten Zahl von Menschen. Hirnstimulatoren wie Medtronics BrainSense sind zugelassen, zählen hier aber nicht dazu. Der US-Status „Durchbruch“ beschleunigt nur die Prüfung: 1.320 Einstufungen, 210 Zulassungen (Stand Ende Juni 2026).
Stille Post in drei Schritten
Precision Neuroscience meldet die erste Zulassung für ein Unternehmen, das eine drahtlose Gehirn-Computer-Schnittstelle entwickelt. Ein Fachmagazin, hier eine Nachrichtenseite für Ärzte, macht daraus: die erste drahtlose Schnittstelle mit Zulassung. Im Zulassungsdokument steht: kein Funk, keine Software, ein Elektrodenpflaster für weniger als 30 Tage.
China: 32 Patienten, sechs Monate
Grundlage der Zulassung sind 32 Patienten, sechs Monate Beobachtung und keine Vergleichsgruppe, also keine zweite Gruppe, an der sich zeigen ließe, ob die Besserung wirklich am Gerät lag. Die Ergebnisse stehen im Prüfbericht der Behörde, aber in keiner Fachzeitschrift, die Arbeiten vor dem Druck von unabhängigen Fachleuten begutachten lässt.
Die schönste und die typische Zahl
Bei einer Person lösen nach zehn Jahren noch 60 Prozent der Elektroden ein Gefühl in der Hand aus, wenn Strom durch sie fließt (begutachtete Studie). Über 14 Menschen gerechnet empfängt nur gut ein Drittel ein brauchbares Signal, laut einer Vorabveröffentlichung: online, aber noch nicht von unabhängigen Fachleuten geprüft. Beide Zahlen stimmen, sie messen Senden und Empfangen.
Was das Stirnband misst
Zwei Menschen ließen sich künstlich lähmen, während ein EEG lief, also die Messung der elektrischen Aktivität an der Kopfhaut. Ergebnis: Oberhalb von 20 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) stammt das Signal größtenteils aus den Muskeln. Stirnbänder messen auf der Stirn, wo die Stirnmuskeln liegen. Und 29 von 30 Anbietern begrenzen in ihren Vertragsbedingungen den Zugriff auf Hirndaten nicht nennenswert (Erhebung 2023).
Hirndaten im Betrieb
Rechtslage, keine Rechtsberatung: Die KI-Verordnung, das EU-Gesetz zur Künstlichen Intelligenz, verbietet seit dem 2. Februar 2025 KI-Systeme, die am Arbeitsplatz Emotionen ableiten; ob ein Stresswert darunterfällt, ist offen. Nach der DSGVO, dem europäischen Datenschutzgesetz, können Hirnsignale als Gesundheitsdaten gelten. Und ein vorhandener Betriebsrat hat Mitbestimmung, also ein gesetzliches Mitspracherecht, bei Geräten, die Leistung oder Verhalten überwachen können.
Hirndaten anderswo
Mehrere US-Staaten, darunter Colorado und Kalifornien, haben ihre Datenschutzgesetze ergänzt: Hirndaten gelten dort ausdrücklich als sensibel. In Kanada legt die Datenschutzbehörde das bestehende Gesetz seit Februar 2026 so aus. Chile schrieb den Schutz 2021 in die Verfassung, 2023 ließ sein Oberster Gerichtshof die Daten eines Stirnband-Käufers löschen. In der EU gibt es kein eigenes Gesetz für Hirndaten.
Wenn der Hersteller aufgibt
2020 braucht Ross Doerr ein MRT, doch der Hersteller seines Netzhautimplantats, Second Sight, beantwortet keine Anfrage: „No letter, email, or telephone call“ (kein Brief, keine Mail, kein Anruf). Juli 2019: volles Betreuungsteam zugesagt. März 2021: Support, also Betreuung und Wartung nach dem Verkauf, weltweit ausgesetzt. Für Software im Betrieb heißt das: einen manuellen Ersatzweg festlegen, bei dem jemand vorübergehend von Hand weiterarbeitet.